Die Champions League der Eier erzeugenden Länder

PROF. I. R. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst

Schlagwörter: Eiererzeugung; Legehennenhaltung; Geflügelwirtschaft

In zwei Beiträgen sollen die Dynamik in der Legehennenhaltung und der Eiererzeugung sowie der Hühnerfleischerzeugung in den jeweils 18 führenden Ländern vorgestellt werden. Dabei ist die Zahl der Länder bewusst an die Anzahl von Clubs in verschiedenen Ligen angelehnt worden. Gegenstand dieser Analyse ist die Champions League der Eier erzeugenden Länder.

 

Bemerkenswerte Dynamik in der Legehennenhaltung

In den 18 Ländern mit den größten Legehennenbeständen lebten im Jahr 2018 5,2 Mrd. Menschen, was einem Anteil von nahezu genau zwei Drittel an der Weltbevölkerung entsprach. Etwas mehr als drei Viertel aller weltweit gehaltenen Legehennen standen in diesen Ländern. Zwölf der Länder lagen in Asien, drei in Amerika, zwei in Europa und eines in Afrika (Tabelle 1). Schon diese Verteilung deutet die herausragende Stellung Asiens in der globalen Eierwirtschaft an.

Zwischen 2008 und 2018 nahm die Zahl der eingestallten Legehennen von 6,3 Mrd. auf 7,5 Mrd. Stück bzw. um 19,4 % zu. In den 18 berücksichtigten Ländern um 933 Mill. oder 19,2 %. Mit Ausnahme von Indonesien, Nigeria und der Ukraine verzeichneten alle Länder einen Anstieg der Legehennenzahl. Von der Zunahme der Bestände entfielen allein 472 Mill. Stück oder 38,9 % auf China, gefolgt von Brasilien (+ 120 Mill.), Bangladesch (+ 82 Mill.), Pakistan (+ 65 Mill.) und Indien (+ 57 Mill.). Die Dynamik in Ost- und Südasien ist bemerkenswert. Die vier asiatischen Länder stellten 55,6 % des weltweiten Anstiegs der Legehennen. Das schnellere relative Wachstum auf globaler Ebene als in den 18 führenden Ländern weist darauf hin, dass auch außerhalb dieser Spitzengruppe die Legehennenhaltung in einer Reihe von Ländern deutlich zugenommen hat. Die höchsten relativen Wachstumswerte in dieser Ländergruppe traten in Myanmar (73,5 %), Malaysia (73,4 %), Bangladesch (70,7 %) und Pakistan (68,4 %) auf.

Eine genauere Betrachtung der Daten in Tabelle 1 zeigt, dass es zwischen 2008 und 2018 zu einigen Veränderungen in der Zusammensetzung und der Rangliste der Länder gekommen ist, sieht man von den ersten vier Rangplätzen ab. Mexiko und Bangladesch haben Indonesien vom fünften Rangplatz verdrängt. Japan hat drei Plätze verloren. Pakistan, Malaysia, die Türkei und die Philippinen konnten ebenfalls mehrere Ränge aufsteigen, während die Ukraine und die Philippinen Plätze verloren. Die Republik Korea und Myanmar sind neu in der Spitzengruppe vertreten, sie haben Italien und Iran verdrängt.

Trotz Zunahme der insgesamt gehaltenen Legehennen war die Entwicklung in einigen Ländern rückläufig. Deutliche Verluste mussten Indonesien, Japan, Nigeria und die Ukraine hinnehmen. Demgegenüber gewannen Indien, Bangladesch, Pakistan, Malaysia, Myanmar, die Türkei und die Republik Korea Anteile. Zu den Verlierern gehörten trotz steigender Bestände China, die USA und Mexiko.

Der Grad der regionalen Konzentration veränderte sich nur geringfügig, China nahm weiterhin eine unangefochtene Spitzenstellung ein. Die drei folgenden Länder konnten ihre Position behaupten, wobei allerdings die deutliche Bestandsausweitung in Brasilien hervorzuheben ist.

Tabelle 1: Die 18 führenden Länder in der Legehennenhaltung in den Jahren 2008 und 2018 (Quelle: FAO Datenbasis)
*Rundungsfehler

Starker Anstieg auch in der Eiererzeugung

Ein Vergleich der Tabellen 1 und 2 zeigt, dass die führenden Länder in der Eiererzeugung nicht vollständig deckungsgleich mit denen in der Legehennenhaltung ist. Der Unterschied in der Einwohnerzahl zu den führenden Ländern in der Legehennenhaltung erklärt sich aus der anderen Zusammensetzung der Länder.

Tabelle 2: Die 18 führenden Länder in der Eiererzeugung in den Jahren 2008 und 2018 (Quelle: FAO Datenbasis)*Rundungsfehler

Im Jahr 2018 hatten die 18 führenden Länder in der Eiererzeugung 4,8 Mrd. Einwohner, was 61,9 % der Weltbevölkerung entsprach. Acht der Länder waren in Asien und jeweils fünf in Amerika und Europa gelegen. Bemerkenswert ist, dass vor allem europäische Länder einen deutlich höheren Anteil hatten.

Zwischen 2008 und 2018 stieg die weltweite Eiererzeugung von 61,7 Mill. t auf 76,7 Mill. t oder um 24,2 %. In den 18 führenden Ländern nahm das Produktionsvolumen um 10,3 Mill. t zu, was 69,0 % der Gesamtzunahme entsprach. Mit Ausnahme von Frankreich nahm in allen Ländern die Erzeugung zu.

Vom Anstieg des Produktionsvolumens in den 18 Ländern um 10,3 Mill. t entfielen allein 3,6 Mill. t oder 24,2 % auf China. Es folgten Indien mit 2,2 Mill. t (14,6 %), die USA mit 1,1 Mill. t (7,5 %), Brasilien mit 821.000 t (5,5 %) und Indonesien mit 521.000 t (3,5 %). Diese fünf Länder vereinigten 55,3 % des globalen Gesamtanstiegs bzw. 80,1 % der Zunahme in der Ländergruppe auf sich. Die höchsten relativen Wachstumsraten verzeichneten Malaysia mit 78,9 %, Argentinien (77,1 %), Indien (71,9 %) und Pakistan (68,4 %). Die große Dynamik der Eierwirtschaft in den Ländern Süd- und Ostasien zeigt sich in den Positionen, die sie in der Rangliste der absoluten und relativen Zunahme einnehmen. Der höhere relative Anstieg der Eiererzeugung auf globaler Ebene im Vergleich zu den 18 führenden Ländern weist darauf hin, dass auch in Ländern, die nicht zur Spitzengruppe gehören, die Erzeugung deutlich ausgeweitet werden konnte.

Ein Vergleich der Zusammensetzung und der Rangfolge der Länder in den Jahren 2008 und 2018 zeigt einige bemerkenswerte Veränderungen. Mexiko und Brasilien verdrängten, Japan und Russland von ihren Rangplätzen. Frankreich verlor seine Position an die Türkei und rutschte vom neunten auf den 12. Rang. Den größten Sprung machte Malaysia, das 2008 noch nicht in der Spitzengruppe vertreten war, von Rang 19 auf Rang 11. Das Produktionsvolumen stieg um 378.000 t, eine Folge der zunehmenden Exportausrichtung, insbesondere nach Singapur (vgl. Windhorst 2020). Positionsgewinne konnten auch Pakistan (+ 341.000 t), Argentinien (+ 361.000 t) und Kolumbien (+ 238.000 t) verzeichnen. Iran, die Niederlande, Italien und Polen stiegen aus der Champions League ab.

Ebenso wie in der Legehennenhaltung veränderte sich in der Eiererzeugung der Grad der regionalen Konzentration nur geringfügig. Die Ausnahmestellung der drei führenden Länder blieb mit einem Anteil von 49,9 % an der globalen Eiererzeugung zwar erhalten, doch sank er um 0,9 %. China und die USA verloren trotz einer Steigerung der Erzeugung 2,5 % bzw. 0,3 % ihres Anteils, Indien gewann 1,9 % und war damit der eigentliche Gewinner. Eine deutliche Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs war der wesentliche Steuerungsfaktor (vgl. Windhorst 2019) für die bemerkenswerte Dynamik.

 

Fazit

Die vorangehende Analyse hat gezeigt, dass sich die globale Eierwirtschaft zwischen 2008 und 2018 sehr dynamisch entwickelt hat. Die Legehennenbestände nahmen um 19,4 % zu, die Eiererzeugung um 24,2 %. Es ist offensichtlich, dass die Intensität der Erzeugung durch den vermehrten Einsatz von Hybridrassen und hochwertigem Futter deutlich zugenommen hat. Auf die 18 führenden Länder entfielen 2018 77,5 % der weltweit gehaltenen Legehennen und 77,1 % der Eiererzeugung. Vom Produktionsvolumen dieser Länder stellten die acht asiatischen Länder, die in der Spitzengruppe vertreten waren, 67,2 %, auf die fünf amerikanischen Länder entfielen 23,0 % und auf die fünf in Europa gelegenen Länder 9,8 %. Die Dominanz Asiens zeigt, dass sich der Schwerpunkt der globalen Eierwirtschaft von Europa und Nordamerika nach Ost- und Südasien verlagert hat und auch in Südamerika neue Wachstumspole entstanden sind.


 

Datenbasis und ergänzende Literatur


FAO Datenbasis: www.faostat.org

Windhorst, H.-W.: Eiererzeugung in Asien: Indien – zwischen Tradition und Umbruch. In: Deutsche Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion 71 (2019), Nr. 3, S. 4 -5.

Windhorst, H.-W.: Emerging Market Countries. Dynamics and Patterns of the Egg Industry. (= WING – Beiträge zur Geflügelwirtschaft 23). Vechta 2020. (Als Download verfügbar unter: https://wing.tiho-hannover.de/pdf_files/wing-beitraege-heft-23_860_1.pdf)

 

 

 

Fotoquelle: Timo Lutz Werbefotografie, www.timo-lutz.de