Die Champions League der Hühnerfleisch erzeugenden Länder

 PROF. I. R. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst

Schlagwörter: Geflügelfleischerzeugung; Masthähnchenhaltung; Geflügelwirtschaft; Welterzeugung; Hühnerschlachtungen

In einem ersten Beitrag wurde die Dynamik in der Legehennenhaltung und der Eiererzeugung in den jeweils 18 führenden Ländern vorgestellt. Im Folgebeitrag soll die Entwicklung in der Erzeugung von Hühnerfleisch zwischen 2008 und 2018 analysiert werden.

 

Strukturen der globalen Erzeugung von Geflügelfleisch

Um die folgende Analyse der Rolle der achtzehn führenden Länder in der Erzeugung von Hühnerfleisch richtig einordnen zu können, sind einige Rahmendaten voranzustellen.

Im Jahr 2018 wurden weltweit 127,3 Mill. t Geflügelfleisch erzeugt, davon entfielen 111,3 Mill. t oder 87,4 auf Hühnerfleisch (Tabelle 1). Wegen der Dominanz des Hühnerfleisches wird sich die Untersuchung auf diese Fleischart konzentrieren.

Tabelle 1:
Die Welterzeugung von Geflügelfleisch im Jahr 2018, getrennt nach Fleischarten 
(Quelle: FAO Datenbasis)

Aus Tabelle 2 kann man entnehmen, dass die Anteile der zur Gruppe der 18 führenden Länder an der Gesamterzeugung der einzelnen Kontinente unterschiedlich hoch waren. Während auf sie in Nordamerika 94,6 % entfielen, waren es in Afrika nur 30,5 % und in Europa 24,4 %. Sehr hoch waren deren Anteile auch in Zentral- und Südamerika sowie in Asien. Die Analyse auf Länderbasis wird es ermöglichen, den Grad der regionalen Konzentration genauer zu dokumentieren.

Tabelle 2: Der Anteil der führenden Länder an der Hühnerfleischerzeugung in den jeweiligen Kontinenten im Jahr 2018 (Quelle: eigene Berechnungen nach FAO Datenbasis)



Bemerkenswerte Dynamik in den Schlachtzahlen für Hühner

Im Jahr 2018 lebten in den 18 Ländern mit der größten Zahl an Hühnerschlachtungen 4,4 Mrd. Menschen, was 57,1 % der Weltbevölkerung entsprach. Von den18 Ländern waren elf in Asien, jeweils drei in Amerika und Europa und eines in Afrika gelegen. Zwischen 2008 und 2018 nahm die Zahl der weltweiten Hühnerschlachtungen von 53,6 Mrd. auf 68,8 Mrd. Stück oder 28,4 % zu. In den 18 führenden Ländern erhöhte sie sich von 37,9 Mrd. auf 48,4 Mrd. oder 27,6 %. Die geringere relative Steigerungsrate weist darauf hin, dass auch in Ländern, die nicht zur Spitzengruppe gehörten, die Schlachtzahlen deutlich zunahmen.

Vom Anstieg der Schlachtungen in den 18 führenden Ländern um 10,5 Mrd. Stück entfielen 2,3 Mrd. bzw. 22,3 % auf China, 1,3 Mrd. (12,0 %) auf Russland, 1,1 Mrd. (10,3 %) auf Indonesien, 954 Mill. (9,1 %) auf Indien und 806 Mill. (7,7 %) auf Brasilien (Tabelle 3). Diese fünf Länder trugen zusammen 61,4 % zur Steigerung der Schlachtzahlen in der Ländergruppe und 42,3 % zum globalen Wachstum bei. Bemerkenswert ist, dass die Schlachtungen in den USA im betrachteten Zeitraum nur um 75 Mill. Stück oder 0,9 % anstiegen, obwohl die Hühnerfleischerzeugung, wie noch gezeigt wird, um 15,0 % zunahm. Diese Diskrepanz erklärt sich aus einer kontinuierlich Steigerung der Schlachtgewichte der Broiler. Die höchsten relativen Wachstumsraten waren mit 125,3 % in Pakistan zu verzeichnen. Es folgten die Türkei (98,9 %), Russland (95,2 %) und Myanmar (84,7 %).

Ein Vergleich der Zusammensetzung und der Rangfolge der Länder zeigt einige bemerkenswerte Veränderungen. Japan, Deutschland, Kanada und Kolumbien waren 2018 nicht mehr in der Spitzengruppe vertreten. An ihre Stelle traten die Türkei, Pakistan, die Republik Korea und Malaysia. China verdrängte die USA vom ersten Rangplatz, Russland setzte sich vor Indien und der Iran vor Mexiko. Myanmar rückte vom sechzehnten auf den neunten Rangplatz vor. Einen noch größeren Sprung machte die Türkei vom zwanzigsten Platz im Jahre 2008 auf Platz elf zehn Jahre später. Auf diese außergewöhnliche Dynamik wird zurückzukommen sein. Südafrika verblieb zwar in der Spitzengruppe, verlor aber trotz Zunahme der Schlachtzahlen fünf Rangplätze.

Der Grad der regionalen Konzentration hat sich im betrachteten Jahrzehnt nur geringfügig verringert. Die 18 führenden Länder stellten weiterhin gut 70 % der Gesamtschlachtungen.

Tabelle 3:
Die 18 führenden Länder in der Schlachtung von Hühner in den Jahren 2008 und 2018
(Quelle: FAO Datenbasis)

*Rundungsfehler

Außergewöhnliche Dynamik in der Hühnerfleischerzeugung

Weil die Zusammensetzung der Ländergruppe in der Hühnerfleischerzeugung von der bei den Schlachtungen abwicht, veränderte sich auch der Anteil der in den führenden Ländern lebenden Menschen an der Weltbevölkerung. Im Jahr 2018 lebten in den 18 führenden Hühnerfleisch erzeugenden Ländern 4,6 Mrd. Menschen, was einem Anteil von 58,8 % an der Weltbevölkerung entsprach. Auch die Zugehörigkeit zu den Kontinenten wich von der bei den Schlachtungen ab. Neun Länder lagen in Asien, sechs in Amerika, zwei in Europa und eines in Afrika.

Die Welterzeugung von Hühnerfleisch stieg zwischen 2008 und 2018 um 33,4 Mill. t bzw. 41,3 %, in den 18 führenden Ländern um 23,9 Mill. t. oder 40,5 %. Wie bei den Schlachtzahlen war die globale Zunahme höher als bei den führenden Ländern, was zu einer geringen Abnahme der regionalen Konzentration führte. Auch hier gilt folglich, dass in einer Reihe von Ländern, die nicht dieser Ländergruppe angehören eine sehr dynamische Entwicklung erfolgt ist. Von allen tierischen Produkten wies das Hühnerfleisch die höchsten Steigerungsraten auf (vgl. Windhorst 2019). Das Fehlen religiöser Barrieren, die vielseitige Verwendbarkeit des Fleisches, die Stellung in der Systemgastronomie und die niedrigen Produktionskosten als Folge der hervorragenden Futterverwertungsrate können als wesentliche Steuerungsfaktoren für die anhaltende Erfolgsgeschichte genannt werden.

Im Jahr 2018 entfielen auf die sechs in Amerika gelegenen Länder 51,9 % des Produktionsvolumens, 38,4 % auf die neuen asiatischen Länder, 7,6 % auf die beiden europäischen Länder und nur 2,1 % auf Südafrika, dem einzigen afrikanischen Land in der Ländergruppe.

Von der Gesamtzunahme der Hühnerfleischerzeugung zwischen 2008 und 2018 um 23,9 Mill. t stellten Brasilien 4,7 Mill. t (1,7 %), China 3,2 Mill. t (13,5 %), die USA 2,6 Mill. t (10,8 %) und Russland 2,5 Mill. t (10,6 %). Bemerkenswert ist, dass Brasilien und China genau ein Drittel der Produktionssteigerung auf sich vereinigten.

Die höchsten relativen Steigerungsraten wiesen Russland (127,0 %), Myanmar (120,3 %), die Türkei (98,3 %) und Indien mit 90,6 % auf. Während die Türkei ihre Produktion deutlich über den Eigenbedarf ausweitete und Hühnerfleisch exportierte, war in den anderen Ländern die Zunahme vor allem durch die stark steigende Inlandsnachfrage bedingt. Die außergewöhnliche Dynamik in Myanmar, die eine Parallele in der Steigerung der Eiererzeugung hat, ist eine Folge der Investitionen des thailändischen Konzern CP, der vertikal integrierte Produktionssysteme aufbaute. Russland weitete die Hähnchenmast stark aus, um die Bevölkerung angesichts des Produktionseinbruchs in der Schweinefleischerzeugung, die durch die Afrikanische Schweinepest verursacht wurde, weiterhin mit Fleisch zu versorgen.

Ein Vergleich der Zusammensetzung und der Rangfolge der Länder in den Jahren 2008 und 2018 lässt einige interessante Veränderungen erkennen. Spanien, Frankreich und Kanada fielen aus der Spitzengruppe heraus. Sie wurden durch Malaysia, Myanmar und Peru ersetzt. Die USA konnten zwar ihren ersten Rangplatz halten, verloren aber 3,9 % ihres vormaligen Anteils. Brasilien verdrängte China vom zweiten Rangplatz und konnte seinen Anteil an der Welterzeugung um 0,5 % steigern, während China 1,1 % verlor. Russland überholte Mexiko und Indien und gewann 1,5 %. Auch Indien gehörte zu den Gewinnern mit einer Zunahme des Anteils um 0,8 % während Mexiko 1,3 % verlor. Einen bemerkenswerten Aufstieg vollzog Malaysia vom 19. auf den 11. Rang.

Tabelle 4:
Die 18 führenden Länder in der Erzeugung von Hühnerfleisch in den Jahren 2008 und 2018 
(Quelle: FAO Datenbasis)
*Rundungsfehler

 

Große Unterschiede bei den Schlachtgewichten

Ein Vergleich der Entwicklung der durchschnittlichen Schlachtgewichte zwischen 2008 und 2018 zeigt, dass sie weltweit von 1,51 auf 1,60 kg angestiegen sind, in den 18 führenden Ländern von 1,55 kg auf 1,71 kg. Es ist also ein Trend zu schwereren Tieren festzustellen. Zwischen den einzelnen Ländern bestanden große Unterschiede (Tabelle 5). Sie sind zum einen zurückzuführen, ob vorwiegend ganze Tiere oder zerlegte Teile bevorzugt werden. Höhere Schlachtgewichte deuten auf einen hohen Anteil an zerlegten Produkten hin (Japan), z. T auch für den Export (Brasilien, USA); niedrige Schlachtgewichte auf die Verwendung ganzer Tierkörper oder auch weniger schnell wachsende lokale Rassen (Indonesien, Myanmar, Thailand, Indien).

Tabelle 5:
Durchschnittliche Schlachtgewichte von Hühnern in ausgewählten Ländern und in der Welt in den Jahren 2008 und 2018, Angaben in kg
(Quelle: eigene Berechnungen nach FAO Datenbasis; eigene Ergänzungen)

 

Fazit

Die sehr dynamische Entwicklung der weltweiten Geflügelfleischerzeugung spiegelt sich in der in den 18 führenden Ländern beobachtete Entwicklung wider. Das relative Wachstum der Erzeugung lag zwischen 2008 und 2018 bei 40,5 %, bei den Schlachtzahlen jedoch nur bei 27,6 %. Hierin drückt sich ein Trend zu höheren Schlachtgewichten und der zunehmenden Bevorzugung von Teilstücken gegenüber ganzen Schlachtkörpern aus. Die großen Gewinner waren Brasilien, Russland, die Türkei, Indien und Indonesien. Zwar verzeichneten auch die USA und China hohe absolute Zunahmen, doch büßten sie beträchtliche Anteile an der globalen Erzeugung ein.


Datenquelle und ergänzende Literatur

FAO Datenbasis: www.faostat.org.

Windhorst, H.-W.: Globale Dynamik von Geflügel. Weltweite Analyse der Jahre 2006 bis 2016 in der Geflügelfleischerzeugung. In Fleischwirtschaft 99 (2019), Nr. 2, S. 30-32.