11.03.2021

Geschlechtsbestimmung im Ei

Chancen und Herausforderungen

Auf der Frühjahrstagung der WPSA am 10. März 2021 hat Herr Jörg Hurlin von der AAT Company (EW Group Company) einen Vortrag über die Chancen und Herausforderungen der Geschlechtsbestimmung im Ei referiert. Herr Hurlin war so freundlich, uns seinen interessanten Vortrag zur Verfügung zu stellen.

Die Einleitung in das Thema erfolgte durch die Vorstellung von Forschungsansätzen zur Geschlechtsbestimmung im Ei und Marktreifen Verfahren. Danach ging er auf die Infrarot-Raman-Spektroskopie und deren Automatisierung ein. Ziel ist es, das Verfahren in den nächsten 2 – 3 Jahren zur Marktreife zu bringen, sagte Hurlin in seinem Vortrag.

Es folgte die Vorstellung der Hyperspektralen Bildgebung, hierbei handelt es sich um eine optische Methode. Ihre Merkmale fasste Hurlin wie folgt zusammen:

  • Nicht-invasiver Prozess der Geschlechtsbestimmung
  • keine Beeinflussung der Embryonalentwicklung durch die Messung
        kein Kontaminationsrisiko, positive Hygiene- und Tierschutzaspekte
        kein Risiko eines möglichen erhöhten Antibiotikaeinsatz
  • Embryonen am 13. Tag robust in der Handhabung

Er stellte zudem den CHEGGY vor, der dieses Verfahren umsetzt und für den Einsatz in modernen Brütereien konzipiert wurde. Bereits seit Anfang 2020 werden mit diesem System Küken für den französischen Markt erzeugt. Ein Video zum Cheggy finden Sie auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=2Kg6WEvySPc

Eine Vollautomatische Hochgeschwindigkeitsmessung von mehr als 20.000 Eiern pro Stunde und keine teuren Verbrauchsmaterialien (Chemikalien) machen dieses Verfahren laut Hurlin aus. Zudem sei es genau und kosteneffizient sowie bei Braunlegern, die 75 % des EU Marktes ausmachen, anwendbar. Sein Vortrag beinhaltete auch die aktuellen Praxisergebnisse des Cheggy (Folie 14). Ein weiterer Schwerpunkt war der Tierschutzgerechte Umgang mit aussortierten Embryonen. Er machte deutlich, dass:

  • das Schmerzempfinden im zweiten Drittel der Brut nicht abschließend geklärt ist,
  • keine eindeutige rechtliche Regelung zu Hühnerembryonen in Tierschutz-Schlacht-VO vorhanden ist,
  • ein Konzept einer tierschutzgerechten und gesellschaftlich akzeptierten Methode zur Betäubung von Hühnerembryonen entwickelt werden muss,
  • die Tierschutzgerechte Betäubung eine ergänzende Maßnahme ist,
  • die Einordnung der Embryonen in Kategorie 3 (vgl. mit Schiereiern) erfolgen kann.

Hurlin stellte zudem technische Möglichkeiten zur Embryonenbetäubung vor und vertiefte die Methode der Elektrobetäubung im Nutztierbereich sowie den Tierschutzgerechten Umgang mit aussortierten Embryonen. Dem folgte die Einleitung und Erklärung der vollautomatischen elektrischen Betäubung durch den Automaten Stunny. Hurlin erläuterte die wichtigsten Merkmale des Stunnys:

  • Kamerabasierte Positionserfassung der Bruteier
  • Sicherstellung gleichbleibender Eindringtiefen auch bei unterschiedlichen Eigrößen durch speziell entwickeltes Eifixierungssystem
  • Erfassung und Dokumentation der erreichten Stromstärke pro Ei
  • Visualisierung von Stromstärken, Kurvenverläufen und zusammenfassenden Statistiken im integrierten Display
  • Online-Speicherung der relevanten Messungen und Parameter
  • Hochdurchsatz mit 10.000 Eiern/Stunde

Zu den Chancen und Herausforderungen fasste Hurlin zusammen, dass es aktuell kein marktreifes Verfahren für die Geschlechtsbestimmung im ersten Drittel der Brut gibt. Zudem kann keine der aktuellen Methoden allein dafür sorgen, dass der Ausstieg in allen Marktsegmenten gelingt. Alle aktuellen Verfahren würden auch den Einsatz von Ressourcen erhöhen:

  • 100 % Genauigkeit werden nicht erreicht (Sexfehler müssen aufgezogen werden!)
  • Prozessrelevante Verluste durch zusätzliches Ei-Handling
  • Einfluss Herdenalter, Eialter, Eiqualität, usw.

Verfahren der Geschlechtsbestimmung erzeugen höhere Kosten, die von Marktteilnehmern getragen werden müssen, so Hurlin. Auch beeinflussen Stakeholder die Zukunft der In Ovo Geschlechtsbestimmung mit. Dabei gebe es sehr vielschichtige Interaktionen zwischen den Stakeholdern und die Bedingungen seien sehr stark länderspezifisch.

Nach Ansicht von Hurlin könnte das Ziel des Ausstiegs aus dem Kükentöten bis Ende 2021 nur erreicht werden, wenn:

  • alle derzeit vorhandenen Lösungsansätze parallel genutzt werden,
  • diese Verfahren weiter optimiert werden und
  • weitere aussichtsreiche Verfahren zur Marktreife geführt werden.